Mentaltraining 1 – Grundlegende Gedanken

    Mentaltraining, das ist ja so ein Überwort geworden, um nicht zu sagen: ein Zauberwort. Man macht mentales Training und gewinnt dann. Den Wettkampf oder den Kampf gegen sich. Auf der anderen Seite glauben noch viel mehr nach wie vor, das sei so ein Psycho-Quark oder gar etwas Esoterisches, Hafechabis eben. Beide Seiten berufen sich darauf, das man irgendwas mit dem Kopf macht: man arbeitet an sich und seinem Glauben daran, etwas besser zu können, als man glaubt, es zu können.

    Was sich alles aus dem Hirn holen lässt

    Konkreter. Ich bereite Wettkampf xy vor, trainiere fleissig und daneben mache ich noch mentales Training und bin damit besser, als wenn ich nur den Körper trainiert hätte.

    Bis hierher klingt es vielleicht, als ob ich mich darüber lustig machen wollte. Das ist nicht der Fall. Ich gehöre zu denen, die nicht nur daran glauben, sondern wissen, dass es funktioniert. Ich war das, was man einen Trainings-Weltmeister nennen könnte. Und ich war definitiv ein Wettkampf-Loser.

    Wenn wir den zweiten Abschnitt nochmals ansehen: man arbeitet am Glauben, etwas besser zu können, als man glaubt, es zu können. Es hat tatsächlich etwas mit Glauben zu tun. Wissen tun wir’s nie. Bestenfalls glaube ich daran, es zu wissen.


    Einer gewinnt, einer verliert. Oder etwa nicht.

    Das ist wie mit der Religion: tatsächlich wissen wir nicht, ob es Gott (einen oder mehrere) gibt, aber solange wir wirklich daran glauben, gibt es einen.

    Wirklich an eine Sache zu glauben ist allerdings nicht ganz so einfach.

    Man stelle sich den Wimbledon-Final vor: zwei der besten Tennisspieler der Welt stehen sich gegenüber. Beide glauben grundsätzlich daran, zu gewinnen – sie stehen nicht einfach so im Finale des wichtigsten Tennisturniers der Welt. Beide haben auch die technischen Fähigkeiten dazu. Aber nur einer gewinnt. Und das muss, wir haben es im Final 2019 gesehen, nicht einmal der sein, der sich in der besseren technischen Tagesverfassung findet. Djokovic war nicht besser als Federer, sonst hätte der Match nicht so lange gedauert. Aber er hat gewonnen.

    Es liesse sich nun leicht sagen: weil er mehr dran geglaubt hat. Das hat sicher was. Aber was? Denn eines steht fest: Roger Federer hat mit Sicherheit daran geglaubt, seinen neunten Wimbledon-Pokal einzupacken. Ohne den Glauben daran musst du die Tennistasche nicht auspacken.

    Deshalb nochmals die Frage: was macht einen Sieg aus?

    In einem Tennismatch sind das sehr viele Komponenten. Wohl in keiner anderen Sportart wird man über so lange Zeit dauernd mit seinen Fehlern konfrontiert wie im Tennis. Immer wieder verlierst du einen Punkt. Oder drei oder vier oder sieben hintereinander. Immer wieder musst du dich neu sortieren. Denn du hast immer auch die Chance, das wieder auszugleichen – es sei denn, du bist an diesem Tag tatsächlich deutlich schlechter. Aber im besagten Final waren beide mehr oder weniger gleich stark.

    Es gab hierzu ein grossartiges Interview mit dem bekannten Schweizer Sportpsychologen Jörg Wetzel in der NZZ am Sonntag vom 21.07.2019. In meinen Augen sagt Wetzel in diesem Gespräch mehr über die Wirkweise von mentalem Training aus als so manches Buch.

    Zumindest die Frage danach, was den Sieg ausmacht, wird – für den Wimbledonfinal 2019 – hinreichend beantwortet.


    Und im Ausdauersport?

    Wie sieht das im Ausdauersport aus? Oder im Breitensport aus, wo es selten um den Sieg geht? Was kann mentales Training bewirken, wenn es um eine lange Rollskitour geht? Aber auch: was kann mentales Training nicht?

    In der folgenden Artikelserie geht es darum, den Begriff Mentales Training ein wenig auszuleuchten. Vielleicht kann nicht alles geklärt werden, zumindest ist es aber das Ziel, vieles aufzugreifen, was man so hört. Wenn es auch kein streng wissenschaftlicher Artikel ist, so werden doch auch wissenschaftliche Erkenntnisse eingebracht. Aber auch ureigenste Erkenntnisse (und Bekenntnisse) sollen nicht fehlen.

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