Pferdescheiss-Strecken

    Wenn von Scheiss-Strecken die Rede ist, dann kann vieles gemeint sein. Verschissen schwere Strecken; verschissen kurvige und mit Hindernissen versehene Abschnitte; verschissen schlechte Laune beim Rollen. Hier geht's aber darum, dass die Strecken verschissen sind – wortwörtlich verschissen. Radwege, die verschissen sind. Nebenstrassen, die verschissen sind.



    Einen sanften Hinweis soll das Bild einer meiner kurzen Trainingsrunden beim Katzensee bei Zürich liefern. So sieht's – auf wechselnden Abschnitten – überall aus. Nein, es sind nicht Hunde oder kleine Kinder, die ihre Scheisse platzieren. Es sind Pferde. Pferde haben die Angewohnheit, ihre Scheisse fallen zu lassen, wann es ihnen passt. Wo immer sie gerade sind. Und im Gegensatz zu Hunden und Kindern künden sie ihr Vorhaben nicht an. Sie ziehen gewissermassen eine lange Spur der Scheisse hinter sich, je nachdem, wie stark oder eben schwach die Reitperson oben zügelt. Dem Pferd ist's egal, wenn die Strasse nachher wie ein riesiger Scheisshaufen aussieht. Verständlich, es kommt einem natürlichen Bedürfnis nach. Erziehen kann man ein Pferd vielleicht dahingehend, dass es ungewöhnliche Schrittabfolgen lernt oder dass es Hindernisse springend überwindet. Aber wo genau es seine Scheisse nicht fallen lassen sollte, das will dem Pferd nicht in den Grind. Das liegt vielleicht nicht am Pferd, sondern an Reiter oder Reiterin. Da herrscht gemeinhin die Meinung vor, dass die Scheisse von Pferden nicht stinkt, da organisch oder vegan oder bloss Gras oder so. Ich finde: Scheisse ist Scheisse und sieht auch so aus.


    Alternativtraining

    Aber egal. Das alles lässt sich hinnehmen mit Gleichmut oder Wut, man mag ablästern über Pferdeler, die es nicht übers Herz bringen, einen Sack unter den Pferdehintern zu kleben, man mag sich über den allmorgendlichen Spiessrutenlauf durch die Scheiss aufregen – oder man kehrt die Sache um: wir sind froh über die ganze Scheisse, denn unser alltägliches Rollskitraining umfasst viel zu wenige Technikübungen. Immer wieder absolvieren wir die gleichen Runden im gleichen Tempo. Deshalb: Gott sei's gedankt, liegt bei uns so viel Scheisse im Weg.

    Hier ein paar verschissen effiziente Übungen.

    1. Slalomlauf. Schnell und wendig Kurven fahren lernt man nur beim Kurven fahren. Ausserdem trainiert man damit den Spurwechsel in der Loipe. Nichts eignet sich dafür so gut wie Pferdescheisse mitten auf dem Weg.

    2. Einbeinig fahren. Mit einem Rollski so knapp an der Scheisse vorbei, dass das andere Bein gehoben werden muss. Sorgt für zunehmende Stabilität und Sicherheit auf dem Rollski.

    3. Springen. Ganz Mutige hopsen flink über ganze Scheisshaufen hinweg. Wer das beherrscht, braucht eigentlich keine Technik-Übungen mehr.

    4. 360er. Je nachdem, wie mittig der Scheisshaufen liegt, kann man sich in einem 360er versuchen. Das bringt wettkampfmässig wenig, dient aber (wie alle anderen Übungen) der Fahrsicherheit.

    5. Eine Übung für fortgeschrittene Skater. Rückwärts durch den Scheiss-Parcours. Sehr lustig, wenn man's kann, nicht gar so lustig, wenn man hinfällt.


    Ein dreifaches Hoch auf die Scheisse dieser Welt.


    rock'n'rollski

    Tobeleggstrasse 14
    8049 Zürich

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